stony road
Dienstag, 12. Oktober 2010
Endzeitstimmung
Merkwürdig, wie mit einem Mal eine ganze Welt voller Ablenkungen einfach so untergehen kann. Wovon rede ich? Vom Internet. Ich habe es nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr zuhause (dort, wo ich wohne, um genau zu sein). Seither suche ich Mittel und Wege, mich anderweitig abzulenken... Also dachte ich, versuch ich es mal mit schreiben.

Okay, wenn dies ein Blog werden soll, fange ich besser chronologisch an.

Seit Mai dieses Jahres bewohne ich ein WG-Zimmer in Dresden. Was ich bei meiner Zusage damals nicht geahnt hatte: Das Zimmer befindet sich in einem stark sanierungsbedürftigen Altbau. Das kommt davon, wenn man sich blind auf ein Zimmerfoto bewirbt... Nun ja, dafür hatte ich es prompt erhalten (das Zimmer, nicht das Foto). Mittlerweile aber ist mir die WG mit ihrem individuellen Charme so ans Herz gewachsen, dass es mir schwerfällt, wieder auszuziehen.

Nun ist jedoch das Problem, dass das ganze Viertel hier aus sanierungsbedürftigen Altbauten besteht und Dresden gerade einen Sanierungsboom erlebt. Das heißt, dass auch bei uns die Baugerüste langsam näher rücken. Es gibt also kein Entkommen. Bald sind wir an der Reihe.

Wenn ich von "wir" rede, muss ich eigentlich von "ich" reden (nicht irritieren lassen, einfach weiterlesen), da ich der einzige Mensch bin, der noch hier wohnt. Nein, nicht in der WG, sondern in dem ganzen viergeschossigen Altbau. Dieser muss bis Ende des Monats geräumt sein, weshalb sich meine Mitbewohner bereits alle aus dem Staub gemacht haben. Verständlicherweise.

Das heißt, nicht ganz. Ab und an kommen noch ehemalige WGler vorbei und räumen ihr restliches Zeug aus. Gestern war die Küche dran, in der noch eine ganze Menge "restliches Zeug" war. Zeug, das kein Mensch benötigt. Oder wozu bitte soll Kräuteressig gut sein? Erschreckend, was man sonst noch alles findet, wenn man gerade beim Ausmisten ist. Als wir im Flur ein Regal abschraubten, kamen dahinter je ein Poster von - ich kann es kaum beschreiben - den Spice Girls und David Hasselhoff in Unterhose zum Vorschein. Oh Gott... jetzt tauchen die inneren Bilder wieder auf. Ich verzichte auf weitere Kommentare und sage nur, dass das Regal schon ziemlich lange dort gehangen haben muss. Jedenfalls kamen später noch befreundete Italienerinnen vorbei und haben Möbelstücke und Küchenzeug für ihre eigenen WGs mitgenommen. Italienerinnen. Ihr könnt sagen, was ihr wollt, aber sie sind wie das Klischee. Laut, durcheinander redend, immer zu mindestens fünft unterwegs. Aber sehr sympathisch! Und zu guter Letzt wurde mir auch noch das Internet gekündigt. Was also bleibt mir noch, der ich hier als Letzter die Stellung halte?

Nun, vorerst noch der Kühlschrank, außerdem der Herd (samt Ofen) sowie je ein Exemplar Teller, Tasse, Messer, Gabel, Löffel, Topf und Pfanne. Und nicht zu vergessen, der Charme eines alten Gebäudes, das in dieser Form wohl bald nicht mehr existieren wird.

Dennoch werde ich nicht darum herum kommen, ab November eine neue Bleibe zu finden. Und meine Entscheidung steht. Ich werde zurück nach Berlin gehen. Warum Berlin?

Warum NICHT Berlin?

Berlin hat viele Gründe. Mindestens so viele wie auf den Plakaten, die man überall in der Stadt sieht und die in Berlin für Berlin werben (?!?).

Berlin vor allem deswegen, weil ich hoffe, dass es dort die meisten Jobs für in der Luft hängende Leute wie mich gibt. Es ist gewissermaßen eine Rückkehr, da ich die ersten elf Jahre meines Lebens in der Hauptstadt verbracht habe. Vielleicht hilft das ja, sich wieder in der Stadt zurecht zu finden. Obwohl... nein, eher nicht. Außerdem liegt es in der Nähe meiner Eltern. Aber nicht zu nah. Alles andere wird sich zeigen.

Bevor das hier noch ausartet mit der Länge des Eintrags, stoppe ich erst mal. Ich werde erst mal recherchieren, wie lang so ein durchschnittlicher Blog eigentlich sein kann, ohne dass der Leser/die Leserin eine Augenstarre bekommt. Danke für's Lesen! Und vielleicht sieht man sich noch mal.

Eine Sache muss ich noch loswerden: Merkwürdig, wie man automatisch produktiver wird, sobald man auf existenzielle Dinge wie das Internet verzichtet! Ciao

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